Kräu­ter­bü­sche 2020

Kräu­ter­weihe und die Zusam­men­stel­lung

Von Barbara Gutmann, Kräu­ter­fach­frau aus Bad Roten­fels

 (Zum Verständ­nis dieser beson­de­ren Zeit habe ich hier aus verschie­de­nen Inter­net- Quel­len eine kurze Zusam­men­stel­lung verfasst):

Maria-Himmel­fahrt am 15. August ist der Auftakt zur wich­tigs­ten Kräu­ter­sam­mel­zeit des Jahres. Heil­pflan­zen, die während dieser Zeit­spanne gesam­melt werden, über­tref­fen alle ande­ren Kräu­ter an Kraft – mit Ausnahme der Johan­nis­kräu­ter, die zur Sommer­son­nen­wende gepflückt werden.

In katho­li­schen länd­li­chen Regio­nen hat sich zu diesem Fest – es gilt als „Frau­en­tag“ – ein reiches Brauch­tum bis heute erhal­ten. Als Hoch­fest hat der Feier­tag einen beson­de­ren Stel­len­wert im Kalen­der. In Bayern ist er auch gesetz­li­cher Feier­tag, zumin­dest in Gegen­den mit über­wie­gend katho­li­scher Bevöl­ke­rung.

Der Frau­end­rei­ßi­ger

Die Zeit zwischen Mariä Himmel­fahrt am 15. August und dem 8. Septem­ber (Mariä Geburt) wurde der „Frau­end­rei­ßi­ger“ genannt, während eine andere Erklä­rung Bezug nimmt auf das Fest „Maria Namen“, demnach ist auch Mariä Himmel­fahrt der Beginn des „Frau­end­reis­si­gers“, das sind dann wirk­lich die 30 Tage bis zum Fest „Maria Namen“ am 12. Septem­ber.  In dieser Zeit liegt auf Wurzeln und Kräu­tern beson­de­rer Segen.

Einer sehr anspre­chen­den Quelle entnahm ich diese Erläu­te­run­gen: (http://www.kraeuterallerlei.de/kraeuter-sammeln-und-ernten-kraeuterbuschen-binden-an-maria-himmelfahrt/

Autor: Dagmar

„Ich weiß nicht, ob Sie mir Glei­ches bestä­ti­gen werden: aber die Pflege und die Anwen­dung gerade von Heil­pflan­zen sind nicht nur eine sinn­li­che Erfah­rung, sondern gehen auch einher mit Mystik, Brauch­tum und Glau­ben.

Viele der bei uns noch bekann­ten Heil­pflan­zen waren schon unse­ren kelti­schen und germa­ni­schen Vorfah­ren, also in der vorchrist­li­chen Zeit, bekannt. Auch Diese lebten mit Floras Reich­tum und Rhyth­mus im Einklang und waren sich ihrer Bedeu­tung bewusst. Ein ritu­el­les Zeug­nis aus Achtung und Respekt vor der Schöp­fung abzu­le­gen ist daher wahr­schein­lich ein konfes­si­ons­lo­ses Ur-Bedürf­nis der Menschen.“

Zu meiner hier veröf­fent­lich­ten eige­nen Liste eines mögli­chen Kräu­ter­bu­schen möchte ich anmer­ken:

Mir als Kräu­ter­frau ist die Zeit rund um die Kräu­ter­weihe an Maria Himmel­fahrt am 15.August eine sehr inten­sive Zeit der Zuwen­dung zu der reichen Welt der Heil­kräu­ter gewor­den, seit­dem ich in Bad Roten­fels lebe und mit den kirch­li­chen Bräu­chen vertraut wurde.

Jahre­lang habe ich versucht, den Kräu­ter­bu­schen nach tradi­tio­nel­len Anga­ben von Mitglie­dern aus der Bad Roten­fel­ser Kirchen­ge­meinde (und viele Jahre auch mit ihnen unter ihrer Anlei­tung) zu binden. Es gibt immer noch etli­che kräu­ter­kun­dige Frauen und Männer. die die ganz beson­de­ren Fund­stel­len für seltene Kräu­ter kennen, und die dafür weite Wege in Kauf nehmen. (z.B Tausend­gül­den­kraut oder Blut­wurz).

Auch ist die tradi­tio­nelle Liste teil­weise schwer zu lesen, wenn man die alten Bezeich­nun­gen der spezi­el­len Pflan­zen nicht „über­setzt“ bekommt. Die „wasch­ech­ten Roten­fel­ser” kennen diese mund­art­li­chen Bezeich­nun­gen natür­lich! Gott­sei­dank, denn es ist in der heuti­gen Zeit so wich­tig, das alte Brauch­tum zu über­lie­fern.

Seit 2013 bin ich ausge­bil­dete Kräu­ter­fach­frau und betrachte die Kräu­ter für den Kräu­ter­bu­schen nun noch unter ande­ren Gesichts­punk­ten. So nehme ich gerne auch Heil­pflan­zen mit hinein, die ganz in unse­rer Nähe wach­sen und zu denen wir ganz persön­lich in Reso­nanz gehen können. Es sind auch sog. Neophy­ten dabei, wie z.B. die sehr wirk­same Kana­di­sche Gold­rute – als erprob­tes Kraut bei (auch chro­ni­schen) Blasen­ent­zün­dun­gen.

Wenn ich als Kräu­ter­frau, die nicht von hier stammt und sich erst spät damit befasst hat, nun eine eigene abge­wan­delte Liste von Kräu­tern für den Buschen zusam­men­ge­stellt habe, dann nur aus der Idee heraus, dass man bei Kräu­ter­spa­zier­gän­gen zum Sammeln der Pflan­zen keine allzu weiten Wege gehen muss und recht schnell doch über 20 Kräu­ter zusam­men­tra­gen kann.

Wenn der OGV hier meine an den „Roten­fel­ser Buschen“ ange­lehnte Liste veröf­fent­licht, dann möchte ich hier­mit auf gar keinen Fall die Tradi­tion des echten „Buschen“ irgend­wie unter­lau­fen. Die Liste ist eher als allge­meine Anre­gung gedacht, auch einmal nach diesen Kräu­tern Ausschau zu halten und auch die bekann­ten Küchen­kräu­ter wie Salbei, Rosma­rin, Thymian oder Minze zu inte­grie­ren.

Es geht ja bei dem Kräu­ter­busch auch ein wenig um die Magie, die Magie der Zahlen und der Kräu­ter, nicht immer nur um die reine körper­li­che Wirk­weise. Und in der heuti­gen oft sehr ratio­na­len Heran­ge­hens­weise kann es der Seele einfach guttun, auch einmal die magi­schen Kräfte der reichen Flora mit einzu­be­zie­hen. So liebe ich es, z.B. das fili­grane „Hexen­kraut“ in den Buschen zu binden – es kann ja nicht scha­den, sich gegen so manche Verwün­schun­gen zu schüt­zen….- was auch das oft als Unkraut geltende „Beruf­kraut“ schaf­fen kann (Kultur­ge­schicht­li­cher Exkurs: Das kana­di­sche Beruf­kraut wurde als Mittel gegen Verhe­xung verwen­det.)

In diesem Sinne wünsche ich allen Menschen, die ihr Inter­esse am Kräu­ter-Sammeln entdeckt haben, viel Freude in der so unglaub­lich viel­fäl­ti­gen Welt der Kräu­ter und Heil­pflan­zen.

Eure Barbara Gutmann