Sommer­schnitt an Obst­ge­höl­zen

Der Sommer­schnitt an Obst­ge­höl­zen ist eine altbe­kannte und lang erprobte obst­bau­li­che Praxis. Dabei kommen vor allem die Metho­den des pinzie­rens, reißens, schnei­dens und ausbre­chens zur Anwen­dung. Diese Maßnah­men unter­stüt­zen, um den Bäumen die gewünschte Wuchs­rich­tung zu geben und sie früh­zei­tig in den Ertrag zu brin­gen. Sommer­schnitt gilt als Maßnahme, die star­kem Wachs­tum im Spit­zen­be­reich vorbeugt, die Bäume klei­ner hält, sie besser mit Frucht­holz beklei­det, die Frucht­farbe fördert und die Wider­stands­fä­hig­keit der Früchte gegen Stip­pig­keit, Fleisch­bräune, Scha­len­bräune und Fäul­nis stärkt. Darüber hinaus hat man mit Sommer­schnitt­maß­nah­men die Möglich­keit, Fehler des letzt­jäh­ri­gen Winter­schnit­tes bzw. des Baum­auf­baues elegant zu korri­gie­ren bzw. akuten Fehl­ent­wick­lun­gen entge­gen zu wirken. Im Folgen­den werden die einzel­nen Maßnah­men wie Pinzie­ren, Juni­schnitt oder –riss, August­schnitt und Belich­tungs­schnitt vorge­stellt.

Das Pinzie­ren
Das Pinzie­ren ist eine wich­tige Methode um kompakte Baum­for­men für kleine Gärten zu erhal­ten. Gerade auf kleins­tem Raum bieten sich Mauern, Häuser­wände oder Zäune dafür an, ebenso Wege, die beid­sei­tig mit Spalier­obst bepflanzt werden. Beim Pinzie­ren werden Triebe mit eine Länge von 15–20 cm mittels Daumen und Zeige­fin­ger bis auf 10–12 cm einkürzt. Diese Maßnahme kann durch­aus mehr­mals durch­ge­führt werden. Durch diese Sommer­be­hand­lun­gen beru­higt sich das Trieb­wachs­tums und ermög­licht kompakte, kleine Baum­for­men ermög­li­chen und erhöht gleich­zei­tig die Frucht­bar­keit. Durch das Pinzie­ren schwächt man also den Trieb und zwingt den Saft, sich auch den untern Augen des Trie­bes mitzu­tei­len, so dass sich diese in Blüten­knos­pen verwan­deln.

 

Der Juni­schnitt
Ziel des Juni­schnit­tes ist es, ungüns­tig stehende, einjäh­rige Triebe zu entfer­nen, die für den Ertrag oder Baum­auf­bau nicht benö­tigt werden und deshalb sowieso mit dem Winter­schnitt entfernt werden müss­ten. Hierzu gehö­ren auch die Wasser­schos­ser oder oben auf einem waage­recht stehen­den Ast sitzende Reiter. Deshalb bezeich­net man dies auch als „Grün­schnitt“, denn die Triebe sind zu dem Zeit­punkt noch nicht verholzt. An der Schnitt­stelle kommt es dann in der Regel in demsel­ben Jahr zu einem schwa­chen Neuaus­trieb, was letz­ten­en­des zu einer Trieb­be­ru­hi­gung führt. Oft reifen diese Triebe aber nicht mehr aus und sind frost­an­fäl­lig, die Garnie­rung mit Blüten­knos­pen ist mitun­ter eben­falls unbe­frie­di­gend. Der Juni­schnitt wird haupt­säch­lich für die Formie­rung der Stamm­ver­län­ge­rung bei star­ken Jung­bäu­men ange­wen­det.

 

Der Sommer­riss

Hier­bei werden die noch krau­ti­gen einjäh­ri­gen Triebe mitsamt den schla­fen­den Augen raus­ge­ris­sen, ein Neuaus­trieb in demsel­ben Jahr wird somit in den meis­ten Fällen unter­bun­den. Beson­ders über­baute Kronen­be­rei­che von stark­wach­sen­den Apfel­sor­ten und Birnen können so hervor­ra­gend regu­liert werden. Meist bietet auch hier­für sich der Juni an, weil dann das Holz noch nicht ausge­reift ist. Eine weitere Entwick­lung des Juni­ris­ses ist das heraus­rei­ßen ganzer mehr­jäh­ri­ger Äste. Damit werden 2 Ziele erreicht: zum einen werden ungüns­tig stehende, zu starke Äste komplett heraus­ge­ris­sen, wodurch die Belich­tung der übri­gen Baum­par­tien verbes­sert wird, zum ande­ren werden gleich­zei­tig über­zäh­lige Früchte entfernt, eine konse­quente Ausdün­nungs­maß­nahme also.

 

Der August­schnitt
Bei stark­wach­sen­den Bäumen kann man den Winter­schnitt für eine bestimmte Zeit ganz oder teil­weise erset­zen. Die Bäume gehen dadurch vom Stadium „viele starke Jung­triebe, aber wenig Frucht­holz“ rasch in den Zustand „schwa­cher Neuaus­trieb, hoher Besatz mit Frucht­holz“ über.  Obers­tes Ziel ist der „ruhige Baum“ mit einem ausge­wo­ge­nen Verhält­nis von Trieb­wachs­tum und Ertrag. August­schnitt lässt sich im Garten auch sehr gut zur Höhen­be­gren­zung einset­zen, dabei wird auch gezielt in das mehr­jäh­rige Holz geschnit­ten.


Der Belich­tungs­schnitt kurz vor der Ernte
Wie der Name schon sagt, dient er einer bessern Belich­tung der Früchte ca. 14 Tage vor der Ernte. Hier­bei werden i. d. R. nur jährige Triebe wegge­schnit­ten, die für den weite­ren Baum­auf­bau nicht mehr benö­tigt werden. Gerade bei zwei­far­bi­gen Sorten führt dieser Schnitt zu einer deut­lich besse­ren Ausbil­dung der roten Deck­farbe. Vorsicht ist jedoch gebo­ten bei inten­si­ver Sonnen­ein­strah­lung, denn dann steigt die Gefahr von Sonne­brand­schä­den deut­lich.

Zusam­men­fas­sung und Bewer­tung
Sommer­be­hand­lun­gen im belaub­ten Zustand können grund­sätz­lich bei allen stark­wach­sen­den Baum- und Strauchob­star­ten ange­wen­det werden. Diese Maßnah­men hemmen das Trieb­wachs­tum des Folge­jah­res durch Wegnahme von Assi­mi­la­ti­ons­flä­che (grüne Blät­ter). Gleich­zei­tig fördern sie die Frucht­bar­keit und den Blüten­an­satz. Darüber hinaus kann der Aufwand für den Winter­schnitt deut­lich redu­ziert werden. Gerade Über­bau­un­gen im Kopf­be­reich können sehr gut mit Sommer­be­hand­lun­gen (Sommer­riss, August­schnitt) regu­liert werden.

Auswir­kung verschie­de­ner Schnitt­ter­mine auf Wachs­tum und Frucht­bar­keit der Obst­ge­hölze

Winter­schnitt

Sommer­schnitt

  • Stan­dart­maß­nahme bei Obst­ge­höl­zen
  • in der vege­ta­ti­ons­lo­sen Zeit (Novem­ber – März)
  • fördert das Trieb­wachs­tum (Vege­ta­ti­ves Wachs­tum) und die Frucht­größe im folgen­den Jahr
  • wird in der Vege­ta­ti­ons­pe­ri­ode im belaub­ten Zustand durch­ge­führt
  • hemmt das vege­ta­tive Wachs­tum und redu­ziert die Frucht­größe im Folge­jahr
  • eine gute Maßnahme zur Beru­hi­gung stark­wach­sen­der Bäume
  • fördert die Frucht­bar­keit (gene­ra­ti­ves Wachs­tum)
  • sehr gute und schnelle Wund­hei­lung

 

Dennoch sind Schnitt­maß­nah­men im Sommer kein Allheil­mit­tel zur Lösung aller Probleme. Deshalb sollte man es beim ersten Mal nicht über­trei­ben. Nicht ange­sagt, ja sogar kontra­pro­duk­tiv ist ein Sommer­schnitt unter folgen­den Voraus­set­zun­gen:

  • bei schwach wach­sen­den Gehöl­zen!
  • bei hoher Sonnen­ein­strah­lung + Hitze: Sonnen­brand­ge­fahr!
  • bei Feuer­brand! (Wenn über­haupt, dann nur reißen, um eine Über­tra­gung durch die Schere zu verhin­dern).



Spezi­elle Anfor­de­run­gen einzel­ner Obstar­ten an den Sommer­schnitt:

Pfir­si­che
Ober­halb des Leit- bzw. Fruch­tas­tes immer die stärks­ten Triebe entfer­nen, auf der Unter­seite möglichst die schwä­che­ren Triebe entfer­nen. Das ergibt einen harmo­ni­schen Baum­auf­bau und gleich­mä­ßige Quali­tä­ten.


Apfel
Liegt der durch­schnitt­li­che Trieb­zu­wachs deut­lich über 30–50 cm, so kann zur Beru­hi­gung des Wachs­tums für 1–2 Jahre über­wie­gend im Sommer geschnit­ten werden.


Himbee­ren
Für einen erfolg­rei­chen Himbeer­an­bau belässt man etwa 10 Ruten pro laufen­den Meter. Über­zäh­lige Boden­triebe können bereits im Früh­jahr entfernt werden. Die verblei­ben­den Triebe werden danach besser ernährt. Außer­dem trock­nen sie schnel­ler ab, was wiederum der Ausbrei­tung des Rutenster­bens vorbeugt.


Brom­bee­ren
Die Seiten­triebe der dies­jäh­ri­gen Ranken werden ab Ende Juli auf 2 bis 3 Augen einge­kürzt. Dadurch wird die Entwick­lung der verblei­ben­den Ranken geför­dert. Zugleich können auch über­zäh­lige Ranken entfernt werden, die sich ansons­ten im Wachs­tum behin­dern würden.


Johannis‑, Stachel­bee­ren
Nach der Ernte ist der opti­male Zeit­punkt zur Entfer­nung abge­tra­ge­ner Triebe, die älter als 4–5 Jahre sind. Durch diese frühe Maßnahme können sich die jünge­ren Triebe und deren Knos­pen besser entfal­ten. Vor der Ernte können über­schüs­sige Triebe entfernt werden, das erleich­tert die Ernte­ar­bei­ten, senkt den Mehltau­druck (bei Stachel­bee­ren) und redu­ziert den Winter­schnitt­auf­wand.


Süßkir­schen
Direkt nach der Ernte ist ein güns­ti­ger Termin zum schnei­den und korri­gie­ren von stark­wach­sen­den Süßkir­schen­bäu­men. Diese Maßnahme führt zu einer deut­li­chen Trieb­be­ru­hi­gung.

 

Kiwi
Neben dem frühen Winter­schnitt kann man Seiten­triebe auch im August auf 5–7 Blät­ter zurück­schnei­den. Das erhöht die Frucht­bar­keit.


Walnuss
Gehöl­zen mit star­kem Saft­druck wie Walnuss soll­ten nur im belaub­ten Zustand geschnit­ten werden (August/September).